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 Alkoholabhängigkeit Definition

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BeitragThema: Alkoholabhängigkeit Definition   Do Jun 14, 2007 12:52 pm

Alkoholabhängigkeit
Definition

Alkoholabhängig bzw. alkoholkrank sind Menschen, wenn sie typische
Symptome wie
» Toleranzentwicklung

» Kontrollverlust

» Entzugserscheinungen

» Unfähigkeit zu dauerhafter Abstinenz

vorweisen.

» Alkoholmißbrauch führt zu körperlichen und / oder sozialen Schäden ohne
Zeichen einer Abhängigkeit

Epidemiologie:
Der Konsum alkoholischer Getränke ist nach dem 2. Weltkrieg kontinuierlich
gestiegen.
Zur Zeit liegt der Konsum jährlich bei knapp 12 Litern reinen Alkohol pro Kopf
der Bevölkerung in Deutschland.

==> 3 Millionen Alkoholabhängige in Deutschland

==> 5 % der erwachsenen Männer

==> 2 % der erwachsenen Frauen

==> Todesfälle an Leberzirrhosen korreliert mit dem Alkoholkonsum

==> hohe Suicidraten (ca. 15 %)

Der Anteil von Alkoholabhängigen unter den Patienten verschiedener Abtei-
lungen der Kliniken wird unterschätzt.

Behandlungsprävalenz:
30% aller Patienten in psychiatrischen Krankenhäusern
20% Alkoholabhängige in internistischen und chirurgischen Abteilungen
10% der Patientinnen in der Gynäkologie
Die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit wird oft übersehen.
Richtige Diagnosestellung:
66% Psychiatrie
50% Innere Medizin
20% Chirurgie
7% Gynäkologie
Diagnosestellung und Gespräch sind schon therapeutisch wirksam.

» Ätiologie:
Es gibt keine prädisponierende "Alkoholikerpersönlichkeit"

multifaktorielles Bedingungsgefüge

individuelle Faktoren (genetische Belastung, Biographie)
Umweltbedingungen (schwerwiegende emotionale und soziale Störungen
im Kindes- und Jugendalter)
spezifische Wirkung der Droge Alkohol
» Symptome:

körperliche:
reduzierter Allgemeinzustand
Inappetetenz
Gewichtsverlust
Muskelatrophie
gerötete Gesichtshaut mit Teleagiektasen (bleibende Erweiterung kleiner,
oberflächlicher Hautgefäße)
Spider naevi
Gastroduodenitiden mit Erbrechen und Durchfall
vermehrte Schweißneigung
feuchte, kühle Akren (= distale Teile des Körpers: Finger, Zehen, Hände,Füße, Nase, Kinn)
Schlaf- und Potenzstörungen
» psychisch:
Angst
dysphorische und depressive Verstimmungen
innere Unruhe
» Folgeschäden:
Akute Alkoholintoxikation

» "einfacher" Rausch
- je nach Trinkgewöhnung

gehobene Stimmung
Abbau von Ängsten und Hemmungen
Steigerung des Antriebes und der Motorik
Dysphorie, Gereitzheit, Ermüdung
Benommenheit und Koma
Dysarthrie, Störungen der Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Urteilskraft und
Koordination
» "Komplizierter" Rausch (= pathologischer Rausch)
- keine quantitave Steigerung des "einfachen Rausches", sondern qualitativ
anders

häufig bereits durch niedrige Alkoholmengen ausgelöst
in der Mehrzahl der Fälle Dämmerzustand
persönlichkeitsfremde Verhaltensstörungen
Aggressivität
Störung von Orientierung und Bewußtsein
Angst und Gereiztheit
Amnesie
» soziale Folgen
sozialer Abstieg (familliäre Auseinandersetzungen)
Scheidungen
Verlust von Freunden und Bekannten
Leistungsabfall und Arbeitsplatzverlust
Trunkenheitsfahrten, Führerscheinverlust, evtl Straftaten (Beschaffunfgs-
kriminalität)
» körperliche Folgen
gastrointestinale Erscheinungen (Leberzirrhose, Ösophagusvarizen-Blutung,
Mallory- Weiss- Syndrom, Gastritis, Resorptionsstörungen, Fettleber, Pankreatitis)
Hypertonie, Kardiomyoparthie
Mangelzustände der Vitamine B 1, B 2 und B 6
hormonelle Veränderungen (Schilddrüse, Nebennierenrinde, Gonaden)
Krebsrisiko
Gruppenarbeit:

1. Gruppe:

Wie wirkt Alkohol wenn wenig konsumiert wird?

- Kontaktbereitschaft wird gefördert

- "entspannt, gelöst, beschwingt, lustig"

- Abbau von Hemmungen bei Kontakt- / Gesprächsaufnahme

- Förderung der Geselligkeit

- vermehrter Rededrang

- Selbstkritik

- Aggressivität

2. Gruppe:
» Wie wirkt Alkohol wenn viel konsumiert wird ?

- enthemmt sein ("Strippen")

- distanzlos ("anquatschen, antatschen")

- euphorische und mutige Stimmung

- Egal-Gefühl (Geld)

- Aggressionen

- Gedächtnisverlust bis zur Amnesie

- Libido

- Persönlichkeitsverlust

- Emotionalität

- Ehrlichkeit (Meinungen mitteilen)

- gesteigerte Phantasie

- Geltungsdrang
auf der körperlichen Ebene:
- verwaschene Sprache

- Störungen des Gangbildes und der Wahrnehmung

- Müdigkeit

- Verlust der Reflexe (Einnässen, Einkoten, Erbrechen)

» Diagnostik:

Die Diagnostik ruht auf zwei klinischen Säulen:

1. Leitsymptom (nach ICD-10)
- starker Wunsch / Zwang, Substanzen (Alkohol) zu konsumieren

- verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Menge
des Konsums

- erneuter Substanzgebrauch lindert Entzugssymptome

- Entzugssyndrom

- Toleranz: ursprünglich durch niedrige Dosen hervorgerufene Wirkungen
erfordern im weiteren Verlauf zunehmend höhere Dosen

- eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit der Substanz

- fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen
zugunsten des Substanzkonsums

- anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweis eindeutig schädlicher Folgen
(körperlich, sozial, psychisch)

Mindestens 3 von 8 Kriterien müssen vorliegen, um die Diagnose einer
Abhängigkeit zu stellen.

2. Laborwerte
pathologische Erhöhung bei:

- Gamma-GT (Gamma-Glutamyl-Transferase)

- bei 70 - 80% der Alkoholabhängigen erhöht

- MCV (mittleres Erythrozytenvolumen) bei mehr als zwei Drittel der Alkohol-
abhängigen erhöht

das MCV ist zeitlich stabiler und kann noch Wochen nach Beginn einer
Abstinenzphase nachgewiesen werden

weitere diagnostische Kriterien:
- "biologische Marker" (CDTund 5 Hydroxytrytophol)

- Fragebogen zur Feststellung der Abhängigkeit
(MALT = Münchner Alkoholismustest)

» Entzugssyndrom:

vegetatives Syndrom (Prädelir) nach Absetzen von Alkohol:
Brechreiz, Durchfälle
Tachykardie, Hypertonie
erhöhte Schweißneigung, feuchte kühle Akren
Schlafstörungen
generalisierte Krampfanfälle (Grand mal)
Ataxie, innere Unruhe
Antriebssteigerung
Tremor, Dysarthrie
Halluzinationen (vorwiegend optisch)
ängstliche, dysphorische, depressive Verstimmungen
Schreckhaftigkeit
Wahrnehmungsstörungen und Distanzminderung
- Dauer des Entzugssyndroms ca. 3 - 7 Tage

» Medikamentöse Behandlung:
- Gabe von Clomethiazol (initial 2 - 4 Kapseln a' 192 mg), dann alle 2 - 4 Std.
zwei weitere Kapseln (max. 24 Kapseln / Tag).
Anschließend schrittweise ausschleichen über ca. 1 Woche.

Delirium Tremens:
Störung der Orientierung zeitlich, örtlich und situativ (evtl. zur Person)
Bewußtseinsminderung
optische Halluzinationen (Insekten, kleine Tiere etc.)
- ca. die Hälfte aller Delirien beginnt mit einem zerebralen Krampfanfall !

» Therapie:
- sofortige KH - Einweisung
- Gabe von (z.B.) Haloperidol, Benzodiazepine, Clomethiazol

Zusatzdiagnosen bei Alkoholabhängigen (Komorbidität)
» bei 40 - 60% der alkoholabhängigen Frauen
- Angststörungen
- depressive Syndrome
- Persönlichkeitsstörungen (seltener)

bei Männern 20 - 40% der Alkoholabhängigen
- depressive Erkrankungen
- Angststörungen
- Persönlichkeitsstörungen

10% zusätzlich abhängig von anderen Substanzen

» Typologie - Einteilung nach Jellinek:

1. Alpha - Alkoholiker
Konflikt- und Erleichterungstrinker
kein Kontrollverlust
2. Beta - Alkoholiker
Gelegenheitstrinker
3. Gamma - Alkoholiker
variables Trinkmuster mit häufigen Räuschen und kurzen Abstinenz-
zeiten
Trinker mit starker psychischer und körperlicher Abhängigkeit
4. Delta - Alkoholiker
Gewohnheitstrinker mit ausgeprägter körperlicher und psychischer
Abhängigkeit und Unfähigkeit zur Abstinenz
konstant hoher Konsum, meist nicht bis zum Rausch
5. Epsilon - Alkoholiker
Episodische Trinker mit starker psychischer Abhängigkeit
(Kontrollverlust), ("Quartalssäufer")
Phaseneinteilung:

1. Präalkoholische Phase
" gehäuftes Erleichterungstrinken

2. Prodomalphase
" heimliches Trinken
" Anlegen von Alkoholvorräten
" Auftreten von Erinnerungslücken ("Fimriß")

3. Kritische Phase
" Kontrollverlust
" vergebliche Versuche mit dem Trinken aufzuhören
" Probleme am Arbeitsplatz
" Interesseneinengung

4. Chronische Phase
" Nachlassen der Alkoholtoleranz
" Auftreten von schweren körperlichen Folgeschäden (z.B. Delir)
" oft tagelange Räusche

Therapie:
individuelle Beratung je nach Krankheitsstadium

1. bei schädlichem Gebrauch
- Gespräch mit Hinweis auf Warnsymptome

2. bei Alkoholabhängigkeit
- aufklärendes und konfrontierendes Gespräch

3. Überweisung in Fachambulanz bzw. Suchtberatungsstelle

Entgiftung:
==> erfolgt in medizinischen Abteilungen der Allgemeinkrankenhäuser oder
in psychiatrischen Kliniken

» Ziele:
stationäre Entwöhnungstherapie
ambulante Behandlung
Selbsthilfegruppen
Entwöhnung:
==> schließt nach Möglichkeit direkt nach der Entgiftungsbehandlung an

Ziel:
Festigung des Abstinezwunsches
individuelle Therapieplanung (je nach Stadium der Erkrankung)
- ambulante Behandlung
- teilstationäre Behandlung
- stationäre Kurzzeitbehandlung (4 - 6 Wochen)
- mittelfristige Behandlung (2 - 4 Monate)
- 6 Monate Behandlung bei schlechter Prognose

ambulante Nachbetreuung und Selbsthilfe:

==> durch Weiterbehandlung / -betreuung in Fachambulanzen oder
Beratungsstellen

==> Teilnahme an Selbsthilfegruppen (Anonyme Alkoholiker, Blaukreuzler,
Guttempler etc.)

» Verlauf und Prognose:

Einteilung in ==> Kontaktphase
==> Entgiftungsphase
==> Entwöhnungsphase
==> Nachsorgephase
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